Berichte

Der Weg ist das Ziel!

Podium der Deutschen Ju-Jutsu-Meisterschaft 2026 mit Tjark Rose und Steffen Bienias auf dem dritten Platz neben den weiteren Teams ihrer Klasse.
Gruppenfoto des Tatami Süpplingen e.V. bei der Deutschen Ju-Jutsu-Meisterschaft 2026 mit Trainer Roman Rose sowie den Athleten Steffen Bienias und Tjark Rose in der Mitte.
von links: Steffen Bienias, Roman Rose, Tjark Rose

Steffen Bienias und Tjark Rose gewinnen die Bronzemedaille im Ju-Jutsu DUO-Wettkampf bei den Deutschen Meisterschaften 2026!

Drüber reden kann man nur, wenn man es ausprobiert hat! Nachdem Tatami Süpplingen seit Jahren im Ju-Jutsu Fighting sehr erfolgreich unterwegs ist und auch immer wieder Sportler aus anderen Vereinen den Luxus des eigenen kleinen Dojos (Trainingsstätte), gespickt mit der außerordentlichen Trainerkompetenz des Vereins, genießen, stellte man sich nach der letzten Wettkampfsaison die Frage: Was machen wir in 2026? Einige Ideen wurden auf die „Matte“ geworfen und im Dojo liegen gelassen. Bis kurz vor Weihnachten die Frage nochmals gestellt wurde. Hier wurde dann die persönlichen Verpflichtungen mit den offenen Möglichkeiten übereinandergelegt und der Entschluss gefasst, dass wir in die Saison 2026 mit einem ganz neuen Projekt starten. Das Projekt hieß „DUO“.

Ja, man hatte es schon auf den Meisterschaften gesehen, aber was es heißt dieses Projekt in die Tat umzusetzen, war nicht absehbar. Was heißt jetzt eigentlich Ju-Jutsu DUO?

Das JJIF-Duo-System zielt darauf ab, die Abwehr mehrerer vorgegebener Angriffe zweier Athlet:in derselben Mannschaft darzustellen. Die Angriffe sind in drei Serien mit jeweils vier Angriffen unterteilt. Die 1. Serie umfasst Greifangriffe, Umarmungs- und Genickgriffangriffe. Die 2. Serie umfasst Schlag-, Stoß- und Trittangriffe und die 3. Serie beinhalte Waffenangriffe mit dem Stock und dem (Gummi) Messer.

Jeder Angriff muss durch einen Vorangriff vorbereitet werden, wie Stoßen, Atemi (Schlag- und Trittechniken), Ziehen oder eine Kombination. Die Angreifende Person muss den Vorangriff und den Angriff ausführen. Die Verteidigende Person zeigt eine Verteidigung gegen den Angriff, gefolgt von einer Wurf-, Takedown- oder Submission-Technik und beendet die Kombination mit einer Atemi, Hebel, einer Würge- oder einer Kontrolltechnik. Ziel der Präsentation ist es, eine realistische und technische Verteidigung durchzuführen. Basierend auf festgelegten Kriterien werden die Jury-Kampfrichtenden anschließend Punkte vergeben, um das Duopaar mit den höchsten technischen Fähigkeiten zu ermitteln.

So wurde dann vor Weihnachten aktiv mit der Vorbereitung gestartet. Hierbei war es unserer Trainingsgruppe wichtig, dass der Spaß für dieses Projekt an oberster Stelle stehen sollte. Jetzt wurde über die Weihnachtstage das Internet nach aktuellen Techniken, verbunden mit der Frage was ist gerade „in“ durchgestöbert. Dieses war aber natürlich nicht ausreichend und so wurden alte Videos aus dem letzten Jahrtausend aus der Schublade gezogen und schmunzelnd inhaliert.

Nach Weihnachten ging es dann auf die Matte, hier wurde jetzt die einzelnen Techniken für die einzelnen Serien entwickelt. Die Entwicklung lag hier auch wieder auf Beiden Seiten, denn für einige Techniken haben die Trainer eigene methodische Reihen entwickelt. Ende Januar waren dann die 12 Techniken vorgereift und es begann das „Feintuning“. Hier nochmal ein Auslagenwechsel, hier nochmal eine andere Störtechnik und, und, und … Im Februar erfolgte dann die 1. öffentliche Aufführung auf einem Bezirkslehrgang. Die Landesmeisterschaft musste aufgrund von privaten Terminverpflichtungen ausgelassen werden., dieses war aber kein Hindernis, da der Duo-Bereich in Niedersachsen noch in den Kinderschuhen steckt und somit die Qualifikation für die Norddeutsche Meisterschaft in Hamburg, Norderstedt, möglich war.

Zur anstehemden Norddeutschen Meisterschaft am 19.04.2026 wurden dann nochmal die Trainingseinheiten verschärft. So bekam jetzt auch noch der konditionelle Anteil seinen richtigen Platz. Die Trainingszeiten wurden verdoppelt und hier gingen die Athleten mit gutem Beispiel voran und Standen zu Zeiten im Dojo wo andere schon das Wochenende einläuten bzw. noch im Bett liegen und sich vom Samstag erholen. Einschnitte in das Private Leben gehören wohl bei jedem Leistungssportler zum Alltag.

Am 19.04.2026 ging es jetzt nach nur 4 Monaten Vorbereitungszeit zum ersten Mal auf einen Duo-Wettkampf. Aufgeregt und angespannt ging es für das „DUO-Pärchen“, das eigentlich schon seit mehr als 10 Jahren dem Wettkampfsport frönt, auf die Matte. Hier zeigten Sie ihre eingeschliffenen Serien und bekamen für einzelne Techniken Bestnoten und wurden Norddeutscher Meister 2026. Mit dem Titel war die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft in Erkelenz erreicht. Die knappen 8 Wochen bis zur Deutschen Meisterschaft wurden für einen weiteren Feinschliff genutzt. So wurden nochmal Atemtechniken im Ausdruck verbessert, „Künstlerpausen“ wurden zur Verdeutlichung der Techniken eingebaut. Die Laustärke der Kiai (Kampfschrei) zur Unterstützung der Atemis wurde zu einem „Battle“ mit der Boom Box. Das Prozedere des Ablaufes (Technikreihenfolge) wurde finalisiert und drillmäßig geschliffen.

Nach erfolgter Freistellung vom Unterricht und genehmigten Erholungsurlaub startete die Trainingsgruppe am Freitag den 26.06.26 nach Erkelenz, Nordrhein-Westfahlen, zum Jahreshöhepunkt, der Deutschen Meisterschaft. Nachdem im Hotel in Mönchengladbach eingecheckt war, ging es zur Akkreditierung in das 25 km entfernte Erkelenz. Aufgrund der Wetterlage war das Einschreiben schon früher als ausgeschrieben möglich. Hierdurch wurde die Wartezeit verkürzt und man konnte sehr zeitnah zum Abendessen um dann hier mit Pizza und Pasta die Grundlage für den Wettkampftag zu legen. Am späten Abend wurde dann der Ablauf online gestellt.

Nach der offiziellen Eröffnung begannen die DUO-U21/MIXED und DUO-MIXED. Um ca. 10:30 Uhr war es dann soweit, es wurde die DUO-MEN Klasse aufgerufen. Für Steffen Bienias und Tjark Rose ging es jetzt in die erste Phase des Wettbewerbs, welche als „Qualifikation“ bezeichnet wird. Hier werden alle 3 Serien, Technik für Technik, in numerischer Reihenfolge gezeigt. Die besten vier Paare der Qualifikationsrunde traten jetzt in der Medaillenphase in einem Face-Off gegeneinander an. Hier trafen dann Steffen und Tjark als 3 Platzierte auf die 2 Platzierte der Qualifikationsrunde. Nah dran aber leider nicht in Finale, so ging leider diese Runde verloren. Mit objektiver Brille gesehen, sah man hier doch „noch“ einen Unterschied zu den Bundeskaderathleten aus Sachsen-Anhalt, welche diese Wettkampfform schon seit Jahren betreiben. Am Ende der Hitzeschlacht, es herrschten weit über 40 Grad in der Sporthalle, gewann man mit nur 6 Monaten Vorbereitungszeit die Bronzemedaille einer Deutschen Meisterschaft und bekam vom Bundestrainer DUO eine Einladung zur Sichtung für den Bundeskader 2027. Wie der Weg der „Gallischen Kampfkünstler“ sich entwickeln wird, ist zurzeit noch nicht absehbar.

Tatami Süpplingen e.V. ist stolz auf seine Sportler und bedankt sich beim Trainerteam für die durchgeführte Arbeit.